Public High Potentials

Wie begabte VerfassungsjuristInnen und erfahrende LawinenverbauerInnen miteinander Führung lernen

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mehrerer Organisationen des öffentlichen Bereichs, die schon zum stellvertretenden Abteilungsleiter bzw. stellvertretenden Abteilungsleiterin ernannt wurden oder kurz davor stehen, sollen die Möglichkeit bekommen, sich in einem Lehrgang auf ihre Position als Abteilungsleiter bzw. Abteilungsleiterin vorzubereiten. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden von den einzelnen Organisationen ausgewählt und angemeldet. Es gibt eine große Herausforderung: Die Gruppe der Teilnehmerinnen und Teilnehmer ist sehr heterogen. Es gibt VerfassungsjuristInnen, LawinenverbauerInnen, LehrerInnen und PolizistInnen im Alter zwischen 28 und 54 Jahren.

Klärung im Beratungsgespräch

Die Durchführung des Lehrgangs wird öffentlich ausgeschrieben. Wir sind einer von zwölf AnbieterInnen. Wir schlagen in unserem schriftlichen Angebot  einen Lehrgang mit drei Modulen, einen Start-Workshop und zwei Follow-up-Terminen vor. Wir präsentieren den Vorschlag mündlich und beschreiben anschaulich, wie wir mit heterogenen Gruppen umgehen. Die wichtigste Frage im Beratungsgespräch ist: „Wie können wir begünstigen, dass TeilnehmerInnen nominiert werden, die nicht nur Potential, sondern auch gute Aussichten auf eine Führungsposition haben?“ Wir entwickeln gemeinsam die Idee, einen Workshop mit den PersonalentwicklerInnen aller Teilorganisationen zu machen. Wir können mit unserer Präsentation überzeugen und werden mit der Durchführung des Lehrgangs beauftragt.

Festgelegte Ziele

Eigene Rolle proaktiv gestalten
Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen mit Zielen Orientierung geben
Gespräche effektiv führen
Mit Emotionen gelassen umgehen
Hilfreiches Feedback geben und nehmen
Menschen mit Zuversicht motivieren
Anerkennung und Kritik annehmbar aussprechen
Teams in ihrer Entwicklung begleiten
Sicher und gelassen mit Konflikten umgehen
Innovation im Team gezielt fördern
Emotionen im Team für Motivation nutzen
Projektgruppen souverän und feinfühlig steuern
Change Management

Design des Lehrgangs

Ganz am Anfang planen wir den Workshop für PersonalentwicklerInnen, in dem keine Inhalte vermittelt wurden, sondern den TeilnehmerInnen die Gelegenheit gegeben wird, sich intensiv über ihre jeweiligen Methoden zur Auswahl der High Potentials zu unterhalten. Der Lehrgang umfasste einen Start-Workshop, drei Module und zwei Follow-ups. Außerdem kann jede Teilnehmerin und jeder Teilnehmer eine Mentorin oder einen Mentor namhaft machen, die oder der in der weiteren Entwicklung unterstützen kann. Die Mentorinnen und Mentoren nehmen an einem eigenen eintägigen Workshop zum Thema Coachingtechniken teil.

Durchführung

Im der ersten Lehrgangsgruppe bildeten sich sehr rasch Untergruppen. Die eine Gruppe verlangte mit viel Nachdruck nach Rezepten, Theorie und Fakten. Die zweite wollte mehr an Reflexion über das eigene Führungsverhalten. Die anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmer beobachteten das Geschehen mit Spannung, wie ein Theaterstück. Diese Auseinandersetzung um die Frage, wie man Führung lernt, bleib spannend bis ins letzte Modul. Am Anfang erleben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die großen Unterschiede als Belastung. Es fällt ihnen schwer, eine gemeinsame Sprache zu finden. Nach und nach zeigt sich, dass gerade in den Unterschieden ein großes Lernpotential liegt. Es wird allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern klar, dass Kommunikation und Führung ganz stark kontextabhängig sind und es keine einheitlichen Führungsregeln für alle Bereiche geben kann.

Evaluation

Alle Teilnehmer wurden nach jedem Modul und am Ende des Lehrgangs mit Fragebogen zu der Wirksamkeit des gemeinsamen Lernens befragt. Für die Steuerung und Weiterentwicklung des Lehrgangs war das Steuerungsfeedback in den Modulen sehr wichtig. Die Einschätzung der Mentorinnen und Mentoren führt dazu, dass wir den Startworkshop und den Workshop für die MentorInnen noch weiter vor den Startworkshop der TeilnehmerInnen legen. Beim zweiten Lehrgang lassen wir beim Start-Workshop und im ersten Modul ganz bewusst noch mehr Zeit für das Sichtbarwerden der Unterschiede.

 

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